Methoden im Coaching: Eine Einordnung
Wer Coaching-Methoden lernen möchte, betritt oft ein Feld voller Erwartungen. Viele angehende Coaches kommen mit der Frage: Welche Methode funktioniert am besten? oder Welche Intervention brauche ich, um ein guter Coach zu sein? Diese Fragen sind verständlich. Aus Coaching-Sicht würden wir aber die Perspektive ändern:
Professionelles Coaching beginnt nicht bei der Methode, sondern beim Menschen – und beim Prozess, in dem Entwicklung möglich wird.
Methoden sind Teil dieses Prozesses. Sie können ihn strukturieren, vertiefen und unterstützen. Aber sie tragen ihn nicht allein. Wer Coaching-Methoden lernen will, sollte deshalb zunächst verstehen, was Coaching überhaupt ist und was nicht.
Dieser Artikel gibt daher Orientierung, beschreibt, was es wirklich bedeutet, Coaching-Methoden zu lernen, erklärt den Coaching-Prozess und zeigt, warum sowohl die ICF als auch CERTYCOACH® konsequent methodenübergreifend ausbilden.
Coaching-Methoden lernen – ein verständlicher, aber verkürzter Wunsch
Der Wunsch, Coaching-Methoden zu lernen, entsteht häufig aus einem Bedürfnis nach Sicherheit. Methoden sind greifbar. Sie geben Struktur, Orientierung und das Gefühl, etwas „in der Hand zu haben“. Gerade zu Beginn wirkt ein klarer Ablauf beruhigend: Schritt eins, Schritt zwei, Intervention, Ergebnis.
Doch genau hier beginnt eine der zentralen Lernaufgaben im Coaching: Coaching ist keine Abfolge von Methoden, sondern ein lebendiger Prozess zwischen Menschen.
Methoden lassen sich erklären, üben und benennen. Prozesskompetenz und Präsenz lassen sich nur erleben, reflektieren und entwickeln. Wer Coaching-Methoden lernen möchte, ohne den Prozess dahinter zu verstehen, bleibt zwangsläufig an der Oberfläche.
Was bedeutet es wirklich, Coaching-Methoden zu lernen?
Coaching-Methoden zu lernen bedeutet nicht, möglichst viele Tools zu sammeln. Es bedeutet auch nicht, für jedes Anliegen eine passende Technik parat zu haben.
Coaching-Methoden lernen heißt, zu verstehen, wann, warum und wie eine Methode den Entwicklungsprozess eines Menschen unterstützen kann – und wann nicht.
Dazu gehören mehrere Ebenen:
- Verstehen der Wirklogik von Methoden
Jede Methode wirkt auf eine bestimmte Weise: z. B. strukturierend, konfrontierend, emotional aktivierend oder perspektivöffnend. Wer Coaching-Methoden lernen möchte, sollte diese Wirkmechanismen verstehen. - Einbettung in den Coaching-Prozess
Methoden entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie in den richtigen Moment eingebracht werden. Eine gute Methode zur falschen Zeit kann einen Prozess stören oder sogar blockieren. - Passung zum Menschen
Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen. Coaching-Methoden lernen heißt auch, sensibel für Persönlichkeit, Kontext, Thema und Zustand des Klienten zu sein. - Reflexion der eigenen Motivation
Wird eine Methode eingesetzt, weil sie dem Klienten dient oder weil sie dem Coach Sicherheit gibt? Diese Unterscheidung ist zentral, denn professionelles Coaching stellt immer die Interessen des Coachees in den Mittelpunkt, nicht die des Coaches.
Was ist mit „Coaching-Prozess“ eigentlich gemeint?
Der Coaching-Prozess ist das Fundament professioneller Coaching-Arbeit. Er beschreibt den Entwicklungsweg, den der Klient im Coaching durchläuft – unabhängig von einzelnen Methoden.
Ein professionell geführter Coaching-Prozess umfasst unter anderem:
- den Aufbau von Vertrauen und Sicherheit
- die Klärung des Anliegens und des Ziels
- die Förderung von Bewusstheit
- die Aktivierung von Ressourcen
- die Integration von Erkenntnissen in den Alltag
Der Coach ist verantwortlich für den Prozess, nicht für die Lösung. Der Klient bleibt verantwortlich für seine Inhalte, Entscheidungen und Schritte.
Methoden sind innerhalb dieses Prozesses Werkzeuge. Sie unterstützen den Prozess, können aber keine Coaching-Beziehung erzeugen.
Coaching-Methoden lernen im Verständnis der ICF
Die International Coaching Federation (ICF) ist der weltweit größte Coachingverband. Ein Blick auf die ICF-Kernkompetenzen ist aufschlussreich für alle, die Coaching-Methoden lernen wollen.
In den acht Kernkompetenzen der ICF findet sich keine einzige konkrete Methode. Stattdessen stehen dort Fähigkeiten wie:
- Etablierung von Vertrauen und Sicherheit
- Coaching-Mindset und ethische Verantwortung
- Präsenz und aktives Zuhören
- Förderung von Bewusstsein
- Unterstützung von Entwicklung
Die ICF verfolgt bewusst einen methodenübergreifenden Ansatz. Sie macht damit deutlich: Professionelles Coaching definiert sich nicht über Tools, sondern über die Qualität der Prozessführung.
Coaching-Methoden lernen bei CERTYCOACH®: Methoden als dienende Werkzeuge
Auch bei CERTYCOACH® verfolgen wir seit 2013 einen konsequent methodenübergreifenden Ansatz. Nicht, weil wir Methoden als gut oder schlecht bewerten, sondern weil sie nur dann wirksam sind, wenn sie den Menschen in seinem Prozess unterstützen und Entwicklung fördern.
In unseren Ausbildungen geht es nicht um die Frage: Welche Methode ist die beste? sondern um: Was braucht dieser Mensch in diesem Moment, um einen nächsten Entwicklungsschritt gehen zu können?
Coaching Methoden lernen bedeutet bei CERTYCOACH®:
- unterschiedliche methodische Zugänge kennenzulernen
- ihre Wirkweise zu verstehen
- ihre Grenzen zu erkennen
- sie flexibel und kontextsensibel einzusetzen
Der Fokus liegt dabei immer auf dem Coaching-Prozess und auf der Entwicklung der angehenden Coaches selbst.
Welche Arten von Coaching-Methoden angehende Coaches kennenlernen
In einer professionellen Coaching-Ausbildung begegnen Teilnehmende unterschiedlichen methodischen Zugängen, ohne sich auf eine Schule festzulegen. Dazu gehören unter anderem:
Strukturierende Methoden
Sie helfen, Komplexität zu ordnen, Ziele zu klären oder Entscheidungsprozesse zu strukturieren. Sie geben Orientierung, ohne Lösungen vorzugeben.
Reflexive Methoden
Verschiedene Frageformate oder Perspektivwechsel fördern die Selbstreflexion. Sie erweitern den Blick auf das eigene Erleben.
Körper- und wahrnehmungsorientierte Interventionen
Diese Methoden beziehen Emotionen, Körperempfinden oder innere Zustände mit ein. Sie sind besonders hilfreich, um Aufmerksamkeit auf das körperliche und emotionale Erleben zu lenken.
Visualisierende Methoden
Metaphern, Bodenanker, Skizzen oder symbolische Darstellungen machen innere Prozesse sichtbar und zugänglich.
All diese Ansätze haben ihren Wert. Entscheidend ist nicht ihre Anzahl, sondern die Fähigkeit des Coaches, sie prozessdienlich einzusetzen.
Die Gefahr der Methodenfixierung
Wer Coaching-Methoden lernen möchte, kann leicht in eine Falle geraten: die Fixierung auf Tools. Sie entsteht häufig aus Unsicherheit oder dem Wunsch, „richtig“ zu coachen.
Methodenfixierung zeigt sich zum Beispiel, wenn:
- Methoden eingesetzt werden, um Stille zu vermeiden
- Prozesse beschleunigt werden, obwohl der Klient noch Orientierung braucht
- Interventionen gewählt werden, weil sie „drankommen“, nicht weil sie passen
Klienten spüren sehr genau, ob eine Methode ihnen dient oder ob sie lediglich angewendet wird. Professionelle Coaches erkennen dies und entwickeln die Fähigkeit, bewusst auf Methoden zu verzichten, wenn es dem Prozess dient.
Fazit: Coaching-Methoden lernen heißt, den Prozess sinnvoll zu unterstützen
Verschiedene Coaching-Methoden zu erlernen ist ein wichtiger Bestandteil professioneller Coach-Werdung. Methoden strukturieren, vertiefen und unterstützen Entwicklungsprozesse. Aber sie sind niemals der Kern.
Der Kern von Coaching ist: die Beziehung, der Zustand und der Prozess.
Coaching-Methoden zu erlernen ist keine theoretische Abhandlung. Methoden entfalten ihre Wirkung erst im echten Kontakt mit Menschen. Professionelles Lernen entsteht durch Praxiserleben (coachen, beobachten, reflektieren). Erst durch die Praxis wird sichtbar, wie Methoden wirken, wo sie unterstützen und wo sie an Grenzen stoßen.
Wer Coaching-Methoden lernen möchte, sollte nicht nach der “einen richtigen” Methode suchen, sondern nach einem methodenübergreifenden Verständnis, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Sowohl die ICF als auch CERTYCOACH® stehen für ein Coaching-Verständnis, in dem Methoden dem Prozess dienen – und nicht umgekehrt. Genau darin liegt die Qualität professionellen Coachings.