Zustandsmanagement im Coaching: Warum unser Zustand im Coaching entscheidend ist

Inhalt

Warum wir im Coaching über Zustand sprechen müssen

Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Zielen, Sehnsüchten und Wünschen in ein Coaching. In der Praxis zeigt sich: Ob sich der Coachingprozess erfolgreich gestaltet und letztlich zum Erreichen des Gewünschten beiträgt, ist vor allem vom Zustand des Klienten und des Coaches abhängig. 

Im Coaching sprechen wir von Zustand, weil menschliches Erleben, Denken und Handeln niemals neutral abläuft. Jeder Mensch befindet sich zu jedem Zeitpunkt in einem inneren Zustand: emotional, körperlich und mental. Dieser Zustand beeinflusst, was wir wahrnehmen, wie wir es wahrnehmen, welche Möglichkeiten wir sehen und wie wir Entscheidungen treffen.

Zustandsmanagement im Coaching beschäftigt sich daher mit der Frage:
In welchem Zustand befindet sich der Coachee (und in welchem der Coach) und wie wirkt sich das auf den Coachingprozess aus?

Diese Frage ist entscheidend für den Erfolg jedes Coachings. Denn selten scheitert ein Coachingprozess an fehlender Motivation oder mangelnden Methoden, sondern vielmehr an unserem eigenen Zustand.

Zustandsmanagement im Coaching: Was es bedeutet

Die Arbeit mit dem Zustand im Coaching bezeichnet die bewusste Wahrnehmung, Regulation und Gestaltung innerer Zustände im Coachingprozess. Dabei geht es nicht darum, das Gegenüber in einen positiven Zustand zu zwingen oder unangenehme Gefühle zu verdrängen. Es geht darum, dem Gegenüber eine Atmosphäre zu ermöglichen, in welche er auf seine Ressourcen zugreifen kann.  

Ein Zustand umfasst immer mehrere Ebenen:

  • emotionale Verfassung,
  • körperliche Spannung oder Entspannung,
  • mentale Klarheit oder Verengung,
  • innere Haltung und Fokus.

 

Im professionellen Coaching wird der Zustand nicht bewertet, sondern wahrgenommen: In welchem Zustand bin ich gerade hier? Ist es mir möglich, in diesem Zustand auf meine Frage/mein Thema zu schauen? 

Es kommt oft vor, dass Klienten angespannt, verunsichert oder gehetzt zu einer Coaching-Sitzung erscheinen oder sich im Prozess ihr Zustand verändert. Professionelle Coaches begleiten ihre Klienten dabei, ihren eigenen Zustand immer wieder wahrzunehmen und zu erkennen, was es braucht, um wieder in einen guten Zustand zu gelangen.

Das Gehirn arbeitet zustandsgebunden: Eine zentrale Erkenntnis für professionelles Coaching

Eine der wichtigsten Grundlagen für Zustandsmanagement im Coaching ist die Erkenntnis, dass unser Gehirn zustandsgebunden arbeitet. Wahrnehmung, Gedächtnis, Problemlösungsfähigkeit und Kreativität sind direkt an den eigenen Zustand gekoppelt.

In einem Zustand von Stress, Angst oder Unsicherheit:

  • verengt sich der Wahrnehmungsfokus,
  • werden bekannte Denkpfade wiederholt,
  • sinkt die Fähigkeit zu Perspektivwechseln,
  • dominiert das Bedürfnis nach Sicherheit.

 

In einem Zustand von Ruhe, Präsenz und innerer Stabilität:

  • erweitert sich der Denkraum,
  • werden neue Zusammenhänge sichtbar,
  • steigt die Fähigkeit zur Selbstreflexion,
  • entstehen neue Wahlmöglichkeiten außerhalb des Bekannten.

 

Im professionellen Coaching geht es nicht darum, einen bestimmten Zustand (z. B. Heiterkeit, Zuversicht, Optimismus) zu erzwingen, sondern das Bewusstsein für innere Prozesse zu schulen. Der eigene Zustand ist veränderbar. Das lässt sich wunderbar nutzen.

Warum ein „guter Zustand“ im Coaching für beide Seiten entscheidend ist

Im Coaching wird oft über den Zustand des Coachees gesprochen. Genauso wichtig ist jedoch der Zustand des Coaches. Zustandsmanagement im Coaching betrachtet immer beide Seiten der Beziehung.

Der Zustand des Coachees/des Klienten

Ein Coachee kommt selten in einem neutralen Zustand ins Coaching. Häufig zeigen sich:

  • innere Unruhe,
  • Entscheidungsdruck,
  • Überforderung,
  • Selbstzweifel,
  • emotionale Erschöpfung etc.

 

Ein professioneller Coach beginnt den Prozess genau hier. Es geht nicht darum, schnell Lösungen zu produzieren, sondern im ersten Schritt eine Atmosphäre für beide Seiten zu schaffen, in der Entwicklung möglich wird und in der sich der Coachee regulieren kann. Hier können auch verschiedene Methoden (z. B. Body-Scan, kurze Meditation, Atemübungen) zum Einsatz kommen, die dem Klienten helfen, in einen guten Zustand zu kommen.

Der Zustand des Coaches

Der Zustand des Coaches ist oft der unterschätzte Faktor im Coachingprozess. Ein Coach, der:

  • innerlich getrieben ist,
  • unter Leistungs- oder Erfolgsdruck steht,
  • eigene Themen nicht regulieren kann oder
  • in Unsicherheit verfällt,

 

transportiert diesen Zustand automatisch in den Coachingprozess. Zustandsmanagement im Coaching beginnt daher immer beim Coach selbst. Professionelle Coaches lernen, ihren eigenen Zustand wahrzunehmen, zu regulieren und bewusst in den Coachingprozess einzubringen.

Bei CERTYCOACH® ist die Arbeit mit dem eigenen Zustand ein zentraler Bestandteil, der sich durch alle Ausbildungsphasen zieht. Vor jedem Training und jedem Coaching schauen wir uns den eigenen Zustand genau an. Nicht ohne Grund lautet unser Credo: Zustand vor Tagesordnung. Die Teilnehmenden lernen, ihren Zustand wahrzunehmen, anzunehmen und zu regulieren.

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Wie der Zustand den Coachingprozess beeinflusst

Ein Coachingprozess ist kein linearer Ablauf nach immer demselben Schema. Coaching ist ein dynamisches Geschehen, das eben auch vom Zustand der Beteiligten abhängt. 

Ein ungünstiger Zustand kann dazu führen, dass:

  • der Prozess stockt und das Gespräch im Kreis verläuft,
  • eigene Fähigkeiten und Ressourcen nicht wahrgenommen werden,
  • Erkenntnisse nicht integriert werden.

 

Ein förderlicher Zustand hingegen:

  • erleichtert Selbstreflexion,
  • fördert Verantwortung und Selbstwirksamkeit,
  • ermöglicht nachhaltige Veränderung.

 

Deshalb ist es wichtig, dass der Coach die Fähigkeit besitzt, den Zustand zum Bestandteil des Coachingprozesses zu machen.

Was nötig ist, um in einen guten Zustand zu kommen

Ein „guter Zustand“ ist kein dauerhaftes Hochgefühl. Generell gibt es nicht den einen Zustand. Im Verlauf eines Tages wechselt unser Zustand und kann auch nur wenige Sekunden anhalten. Wenn wir im professionellen Coaching von einem „guten Zustand“ sprechen, meinen wir ein inneres Gleichgewicht. Klienten sagen oft, dass sie eine innere Ruhe verspüren, wenn sie in einem guten Zustand sind.  

Wie überall im Coaching gibt es nicht das eine Verfahren, um in einen guten Zustand zu kommen. Jeder Mensch empfindet etwas anderes als wirkungsvoll. Im Coaching können zum Beispiel Atemübungen, Meditationen oder Bewegungsrituale helfen, um in einen guten Zustand zu kommen.

Die Arbeit mit dem eigenen Zustand ist nicht nur für den Coachingprozess hilfreich, sondern kann spielerisch in den Alltag eingebaut werden, z. B. vor Meetings, Entscheidungen, Prüfungen oder schwierigen Gesprächen. 

Zustandsmanagement im Coaching ist Teil einer professionellen Ausbildung

Unser Zustand beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln und damit auch jeden Coachingprozess. Wer Coaching professionell ausüben möchte, kommt an den Dynamiken und Prozessen rund um den Zustand also nicht vorbei. 

Die klügsten Ansätze und Tools helfen im Coaching wenig, wenn sich Coachee und Coach in einem schlechten Zustand befinden. In einer professionellen Coaching-Ausbildung ist der Zustand des Coaches daher genauso wichtig wie der des Gegenübers. 

In den CERTYCOACH® Ausbildungen ist die Arbeit mit dem Zustand ein integraler Bestandteil der gesamten Coach-Werdung. Die angehenden Coaches lernen, ihren eigenen Zustand wahrzunehmen, zu regulieren und ihre Coachees bei diesem Prozess zu unterstützen. 

Das Schöne: Der eigene Zustand ist veränderbar und genau das lässt sich wunderbar für Entwicklungsprozesse (auch jenseits von Coaching) nutzen. 

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Nicole Menzel

Nicole Menzel ist zertifizierter Life & Business Master Coach und Head of Communications bei CERTYCOACH®.

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