Gute Trainings führen nicht immer zu Veränderungen
Training gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Instrumenten beruflicher und persönlicher Entwicklung. Menschen erwerben neues Wissen, trainieren Fähigkeiten und erhalten konkrete Werkzeuge für ihren Alltag. Ob Führungskräftetraining, Kommunikationstraining, Vertriebstraining oder Personaltraining: Durch gezielte Trainingsmaßnahmen können wir Kompetenzen aus- sowie aufbauen und unsere Leistung verbessern.
Dennoch beobachten viele erfahrene Trainerinnen und Trainer, dass die Qualität des Trainings und die Qualität der späteren Umsetzung nicht immer deckungsgleich sind. Die Motivation ist am Anfang oft sehr groß: Wir wollen gesünder leben, mit dem Rauchen aufhören, häufiger Nein sagen, Grenzen aufzeigen etc. Doch der innere Schweinehund macht es uns gern schwer, Veränderungen im Verhalten langfristig umzusetzen.
Die besten Impulse können schnell verpuffen und vom ursprünglichen Motivationsfeuer bleibt nur eine kleine Flamme übrig. Grund dafür sind nicht die Inhalte. Meist haben wir sehr schnell verstanden, was uns guttut. Es liegt auch nicht am fehlenden Willen, denn viele Menschen wollen wirklich gern etwas verändern, scheitern aber an der Umsetzung. Genau an diesem Punkt entstehen spannende Berührungspunkte zwischen Training und professionellem Coaching.
Tipp: Dieses Thema greifen wir im CERTYCOACH® Video Podcast mit Handball-Weltmeister Dominik Klein auf. Hier erfährst Du, wie ein Profi-Sportler von Coaching in seiner Karriere profitierte – obwohl er anfangs gar nicht so überzeugt war.
Training vermittelt Wissen, Coaching begleitet Entwicklung
Wer Training und Coaching miteinander vergleicht, sollte nicht nach Unterschieden suchen, um das eine oder andere besser oder schlechter darzustellen. Beide Formate erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können sich hervorragend ergänzen.
Training vermittelt Wissen, Fähigkeiten und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Es schafft Orientierung und gibt Menschen Werkzeuge an die Hand, die sie unmittelbar nutzen können.
Coaching beschäftigt sich stärker mit den individuellen Prozessen hinter der Umsetzung. Es richtet den Blick auf Fragen wie:
- Was hält Menschen davon ab, das Gelernte anzuwenden?
- Welche inneren und äußeren Hindernisse stehen einer Veränderung im Weg?
- Welche Ressourcen können aktiviert werden, damit die Entwicklung tatsächlich gelingt?
Ein professioneller Coach gibt keine Lösungen vor, sondern unterstützt das Gegenüber dabei, die Antworten auf seine Fragen eigenständig zu finden.
Schauen wir uns zwei Beispiele aus Wirtschaft und Sport an:
Ein Führungskräftetraining kann vermitteln, wie man wertschätzendes Feedback gibt. Das Mitarbeitergespräch kann jedoch völlig anders verlaufen, sodass die Führungskraft sich plötzlich einem Konflikt gegenübersieht und nicht mehr weiß, wie sie angemessen und wertschätzend reagieren soll (obwohl sie eigentlich über das nötige Wissen verfügt). Im Coaching können wir uns anschauen, was es der Führungskraft in dem Moment schwer gemacht hat und wie sie sich auf die nächste Situation vorbereiten würde mit all ihren Kompetenzen, die ihr zur Verfügung stehen.
Ähnliches zeigt sich im Sport. Ein Trainer arbeitet an Technik, Taktik und körperlicher Leistungsfähigkeit. Ein Athlet kann technisch hervorragend ausgebildet sein und dennoch im Wettkampf nicht sein volles Potenzial abrufen, obwohl er bestens vorbereitet und ehrgeizig ist. Professionelles Coaching kann diese Arbeit dort ergänzen, wo Druck, Selbstvertrauen, Fokus oder innere Blockaden eine Rolle spielen, die den Sportler daran hindern, im Moment der Wahrheit seine Leistung vollends abzurufen.
Coaching-Kompetenzen erweitern die Rolle des Trainers
Die zwei Beispiele zeigen, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen ist. Viele Trainingsansätze fokussieren sich auf eine Ebene, indem sie die körperlichen oder mentalen oder emotionalen Fähigkeiten schulen. Ein ganzheitlicher Coaching-Ansatz bringt alle Ebenen zusammen und integriert sie, wodurch es möglich wird, das gesamte Potenzial auszuschöpfen.
Dieser Ansatz ist komplexer, wird aber auch zunehmend nachgefragt. Der Profi-Sportler weiß, dass ein Wettkampf nicht nur körperlich, sondern auch mental ausgetragen wird. Und auch in der Wirtschaft erkennen wir, dass Veränderungen nicht auf dem Papier stattfinden, sondern von Menschen auch emotional mitgetragen werden müssen.
Dadurch verschieben sich auch die Erwartungen an Trainer. Teilnehmende wünschen sich heute mehr als einen reinen Fachinput zu einem bestimmten Thema. Sie suchen Orientierung, Reflexion und Unterstützung bei konkreten Herausforderungen aus ihrem beruflichen Alltag. Oft bietet ein Training den Anlass, um einen Konflikt anzusprechen oder Unzufriedenheit auszudrücken. Das wiederum kann eine Dynamik in der Gruppe entfachen und Diskussionen auslösen, die sich vom eigentlichen Thema wegbewegen.
Coaching-Kompetenzen können Trainerinnen und Trainer in solchen Situationen helfen, auf diese Bedürfnisse einzugehen. Sie ermöglichen es, Lernprozesse stärker mit den individuellen Fragestellungen der Teilnehmenden zu verbinden und die Brücke zwischen Wissen und Anwendung bewusster zu gestalten.
Eine professionelle Grundlage bleibt entscheidend
Professionelle Coaching-Kompetenzen entstehen nicht allein durch Erfahrung oder Intuition. Die Grundlage, um Menschen und Teams professionell in Ziel- und Veränderungsprozessen begleiten zu können, ist eine entsprechende Coaching-Ausbildung.
In den CERTYCOACH® Ausbildungen sehen wir die Berufsgruppe der Trainer und Personal Trainer, die Coaching-Kompetenzen erwerben möchten, um ihre bestehende Arbeit zu erweitern und ihre Kundinnen und Kunden ganzheitlicher begleiten zu können.
Wenn Du neugierig bist und erfahren willst, wie Coaching Menschen wirkungsvoll in Ziel- und Veränderungsprozessen begleitet, dann sieh Dir unser Gratis Online Training an.