Mitarbeitende begleiten ohne auszubremsen und zu überfordern
Die einen experimentieren begeistert mit KI, entdecken neue Möglichkeiten und wollen am liebsten sofort sämtliche Arbeitsabläufe verändern. Andere sind vorsichtiger. Sie fragen sich, wie zuverlässig die Anwendungen sind, was mit ihren Daten passiert oder ob ihre bisherige Arbeit künftig überhaupt noch gebraucht wird.
Solche unterschiedlichen Haltungen erleben wir derzeit in vielen Teams und ihre Führungskräfte fragen sich: Wie begleite ich meine Mitarbeitenden durch diese Veränderung, ohne die einen auszubremsen und die anderen zu überfordern?
Ein guter Anfang ist, die unterschiedlichen Perspektiven im Team sichtbar zu machen. Was erleben die Mitarbeitenden im Umgang mit KI? Welche Hoffnungen und Bedenken haben sie? Und worauf können sich alle verständigen?
Vier Schritte können Dir helfen, diese Gespräche zu führen und daraus eine gemeinsame Vorgehensweise zu entwickeln.
KI im Team einführen: Vier Schritte, die Dir als Führungskraft helfen
(1) Unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen
Bevor Du mit Deinem Team über neue Anwendungen und Prozesse sprichst, lohnt es sich herauszufinden, welche Erfahrungen Deine Mitarbeitenden bereits mit KI gemacht haben. Manche nutzen KI schon regelmäßig, andere haben sie bislang kaum ausprobiert und wieder andere stehen der Entwicklung kritisch gegenüber.
Schaffe einen Rahmen, in dem diese unterschiedlichen Perspektiven Platz haben:
- Welche Erfahrungen habt Ihr bislang mit KI gemacht?
- Bei welchen Aufgaben könnte uns KI wirklich unterstützen?
- Was macht Euch beim Einsatz von KI noch Sorgen?
- Welche Fähigkeiten möchtet Ihr weiterentwickeln, um die neuen Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen?
Höre aufmerksam zu, ohne Partei zu ergreifen oder die Aussagen zu bewerten. Auch kritische Stimmen können wertvolle Hinweise liefern. In diesem Schritt geht es erstmal darum, die verschiedenen Sichtweisen zu sammeln.
(2) Richtung und Ziele gemeinsam festlegen
Wenn Menschen wissen, worauf sie sich einstellen können, fällt es ihnen häufig leichter, sich auf Veränderungen einzulassen.
Klärt deshalb miteinander, was der Einsatz von KI für Eure Zusammenarbeit bedeutet:
- Welche Ziele verfolgt Ihr damit?
- Welche Anwendungen dürfen genutzt werden?
- Welche Aufgaben und Entscheidungen bleiben in menschlicher Verantwortung?
Besonders wichtig sind verbindliche Regeln zum Umgang mit vertraulichen Daten und zur Überprüfung KI-generierter Ergebnisse. Hier braucht Dein Team klare Vorgaben, die mit den zuständigen Stellen im Unternehmen abgestimmt sind.
Sprecht außerdem darüber, wie sich Aufgaben verändern könnten und welche Unterstützung die einzelnen Mitarbeitenden benötigen. Gerade wenn berufliche Rollen infrage gestellt werden, ist Transparenz entscheidend.
(3) Erfahrungen sammeln und Ergebnisse auswerten
Es geht nicht darum, sofort alle Arbeitsabläufe zu verändern. Sucht Euch zunächst eine überschaubare Aufgabe, bei der KI Euch sinnvoll unterstützen könnte.
Vielleicht möchtet Ihr Informationen schneller strukturieren, Ideen für ein Projekt entwickeln oder interne Abläufe vereinfachen.
Vereinbart, was Ihr mit einer dafür freigegebenen Anwendung ausprobieren möchtet, und sammelt Erfahrungen. Auch Mitarbeitende, die zunächst skeptisch sind, können wertvolle Beiträge leisten. Sie entdecken möglicherweise Risiken oder stellen Fragen, die andere bislang übersehen haben.
Schaut nach einer vereinbarten Zeit gemeinsam auf die Ergebnisse:
- Was hat tatsächlich funktioniert?
- Wo hat KI die Arbeit erleichtert?
- Wo musste nachgebessert werden?
- Was möchtet Ihr künftig anders machen?
- Wo steht Ihr mit Blick auf das Ziel?
Gerade der letzte Punkt sollte nicht unter den Tisch fallen. Sonst habt Ihr im Team zwar viele Erfahrungen gesammelt, ohne sie aber wirklich mit Blick auf das Ziel einzuordnen.
(4) Zusammenarbeit im Team stärken
Neue Technologien verändern häufig auch die Art, wie Menschen miteinander arbeiten. Wenn einzelne Mitarbeitende beispielsweise sehr schnell im Umgang mit KI werden, können sich Aufgaben und Verantwortlichkeiten verschieben. Andere haben möglicherweise das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können.
Nimm diese Veränderungen sowie Spannungen und Unausgesprochenes wahr und besprecht im Team:
- Wie können Erfahrungen und Wissen im Team geteilt werden?
- Haben alle die Möglichkeit, sich mit den neuen Anwendungen vertraut zu machen?
- Was braucht Ihr, damit die Zusammenarbeit weiterhin gut funktioniert?
Egal ob es um den Umgang mit KI, die Umsetzung eines neuen Projekts oder andere Themen geht: Teamentwicklung ist ein fortlaufender Prozess und die vier Schritte können immer wieder Anwendung finden.
Was hinter Begeisterung und Skepsis steckt
Kommen wir noch einmal auf die unterschiedlichen Haltungen gegenüber KI zurück. Stell Dir ein Teammeeting vor, in dem ein Mitarbeiter begeistert berichtet, dass er mit einem neuen KI-Tool bereits mehrere Stunden Arbeit eingespart hat. Eine Kollegin äußert Bedenken, ob vertrauliche Informationen ausreichend geschützt sind. Ein anderer hält sich zurück. Er beschäftigt sich schon länger mit der Frage, wie sicher seine berufliche Zukunft angesichts der technischen Entwicklung eigentlich noch ist.
Alle drei erleben dieselbe Veränderung aus einer anderen Perspektive.
Der begeisterte Mitarbeiter möchte möglicherweise effizienter arbeiten und mehr Zeit für anspruchsvolle Aufgaben gewinnen. Seine Kollegin legt großen Wert auf Sorgfalt und Verlässlichkeit. Und der zurückhaltende Mitarbeiter sorgt sich um eine Tätigkeit, mit der er sich seit vielen Jahren identifiziert.
Als Führungskraft hilft es Dir, diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu erkennen. Denn davon hängt ab, welche Form der Unterstützung tatsächlich hilfreich ist.
Ein Hinweis auf die Vorteile von KI wird einen Menschen, der sich um seinen Arbeitsplatz sorgt, wenig beruhigen. Genauso wenig hilft es, berechtigte Datenschutzbedenken als mangelnde Offenheit gegenüber Veränderungen abzutun.
Hier braucht es eine aufmerksame Begleitung und eine Teamkultur, in der Menschen ihre Anliegen offen aussprechen können.
Warum psychologische Sicherheit beim Umgang mit KI so wichtig ist
Unsere CERTYCOACH® Ausbildungsleiterin und Team-Spezialistin Kathleen Schepp beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Vertrauen und Verbundenheit in Teams entstehen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist psychologische Sicherheit: Mitarbeitende können Fragen stellen, Fehler eingestehen und auch unbequeme Themen ansprechen, ohne persönliche Abwertung befürchten zu müssen.
Gerade beim Umgang mit KI ist das wichtig. Was passiert, wenn sich eine Mitarbeiterin nicht traut zuzugeben, dass sie Schwierigkeiten mit einer neuen Anwendung hat? Oder wenn ein Kollege Fehler in KI-generierten Ergebnissen entdeckt, seine Zweifel aber lieber für sich behält?
Als Führungskraft prägst Du diesen Rahmen mit Deinem Verhalten. Hörst Du aufmerksam zu? Nimmst Du Bedenken ernst? Kannst Du selbst zugeben, wenn Du etwas noch nicht weißt?
Kathleen betont in ihrem Video außerdem, wie wichtig es ist, anderen Menschen etwas zuzutrauen. Wer seinen Mitarbeitenden Vertrauen entgegenbringt und ihnen ermöglicht, eigene Erfahrungen zu sammeln, unterstützt auch ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Wie Coaching-Kompetenzen Dich in der Teamführung unterstützen
Menschen durch Veränderungen zu begleiten, gehört zu den wesentlichen Aufgaben einer Führungskraft. Gerade im Umgang mit KI wird deutlich, wie wichtig es ist, unterschiedliche Bedürfnisse zu erkennen, aufmerksam zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Professionelle Coaching-Kompetenzen können Dich dabei unterstützen. Sie helfen Dir, genauer hinzuschauen, bevor Du Reaktionen bewertest, und Deine Mitarbeitenden darin zu stärken, eigene Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.
Wenn jemand beispielsweise den Einsatz eines KI-Tools ablehnt, lohnt es sich nachzufragen, welche Erfahrungen oder Bedenken dahinterstehen. Gleichzeitig kannst Du engagierte Mitarbeitende dabei unterstützen, ihre Ideen so einzubringen, dass das gesamte Team davon profitiert.
Coachingorientierte Führung gibt Menschen Raum, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Deine Führungsaufgaben und die damit verbundenen Entscheidungen bleiben dabei bestehen.
Wenn sich bereits Konflikte oder festgefahrene Dynamiken innerhalb des Teams entwickelt haben, kann darüber hinaus ein professioneller Team-Coaching-Prozess sinnvoll sein.
Traust Du Deinem Team etwas zu?
KI wird unsere Arbeit weiter verändern, so viel steht fest. Manche Aufgaben werden leichter, andere entwickeln sich grundlegend weiter und neue Themen werden entstehen. Nicht alle Menschen werden diesen Entwicklungen mit derselben Geschwindigkeit folgen und das müssen sie auch nicht.
Für Führungskräfte besteht eine wichtige Aufgabe darin, die unterschiedlichen Perspektiven und Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden zusammenzubringen, Orientierung zu schaffen und gemeinsame Entwicklung zu ermöglichen.
Dazu braucht es fachliche Kompetenz, klare Entscheidungen und die Bereitschaft, sich mit den Menschen im Team auseinanderzusetzen.
Kathleen bringt in ihrem Video einen Gedanken auf den Punkt, der auch für den Wandel durch KI relevant ist: Vertrauen und Verbundenheit entstehen dort, wo Menschen sich offen begegnen, einander zuhören und bereit sind, sich gegenseitig etwas zuzutrauen.
Wer diese Grundlage im Team pflegt, schafft gute Voraussetzungen, um auch kommende Veränderungen gemeinsam zu bewältigen.