Teamcoaching oder Teambuilding: Was hilft bei Spannungen im Team?
Ein Team kann fachlich hervorragend aufgestellt sein und trotzdem Schwierigkeiten haben, gemeinsam voranzukommen. Du hast Ziele kommuniziert, Rollen und Verantwortlichkeiten gemeinsam mit den Beteiligten geklärt. Und dennoch beschleicht Dich das Gefühl, dass nicht alle an einem Strang ziehen.
Als Führungskraft möchtest Du etwas verändern. Doch was ist das richtige Instrument? Ein Workshop, ein Teambuilding-Event oder ein professionelles Teamcoaching?
Bevor Du die nächste Maßnahme planst, lohnt sich ein genauer Blick auf das, was in Deinem Team tatsächlich passiert.
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Mehr InformationenWarum mehrere Ebenen bei Teams wirken
CERTYCOACH® Ausbildungsleiterin und Team-Spezialistin Kathleen Schepp nutzt das Eisbergmodell, um die unterschiedlichen Ebenen eines Teams sichtbar zu machen.
Wie bei einem Eisberg ist nur ein Teil dessen, was die Zusammenarbeit prägt, unmittelbar zu erkennen. Unter der Oberfläche wirken weitere Faktoren, die das Verhalten der Menschen und die Leistungsfähigkeit des Teams erheblich beeinflussen können.
- Die Inhalts- oder Sachebene – die sichtbare Spitze des Eisbergs
Hier geht es um fachliches Wissen, Aufgaben, Ziele und die gemeinsame Strategie. Weiß jeder, was erreicht werden soll? Haben alle dieselbe Vorstellung vom Ergebnis?
Ein Team kann sich durchaus auf ein gemeinsames Ziel verständigen und trotzdem sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie Erfolg am Ende aussieht.
- Die Prozessebene – an und unter der Wasseroberfläche
Wie organisieren wir unsere Arbeit? Wer trifft welche Entscheidungen? Wie funktioniert die Kommunikation zwischen den Beteiligten?
Ein Teil dieser Abläufe ist sichtbar und klar geregelt. Andere Regeln haben sich über die Jahre eingeschlichen, ohne jemals bewusst vereinbart worden zu sein.
Gerade nach einer Umstrukturierung können fehlende Zuständigkeiten und widersprüchliche Erwartungen die Zusammenarbeit erheblich erschweren.
- Die Beziehungsebene – der häufig verborgene Teil des Eisbergs
Hier geht es um Vertrauen, Zugehörigkeit, persönliche Bedürfnisse und die Art, wie Menschen miteinander in Beziehung stehen.
Fühlt sich jeder gehört und respektiert? Können unterschiedliche Meinungen offen ausgesprochen werden? Gibt es Enttäuschungen oder Konflikte, über die niemand sprechen möchte?
Diese Dynamiken sind oft schwerer zu erkennen. Ihre Auswirkungen zeigen sich allerdings durchaus: Mitarbeitende ziehen sich zurück, gehen Diskussionen aus dem Weg oder reagieren empfindlich auf bestimmte Entscheidungen.
Entscheidend ist: Alle drei Ebenen beeinflussen sich gegenseitig.
Wenn beispielsweise nach einer Umstrukturierung Entscheidungen immer wieder infrage gestellt werden, kann das an unklaren Befugnissen liegen. Es kann aber auch sein, dass sich einzelne Teammitglieder übergangen fühlen oder das Vertrauen in die neue Führung fehlt. Häufig kommt beides zusammen.
Eine neue Aufgabenverteilung kann dann hilfreich sein. Für eine nachhaltige Verbesserung lohnt sich allerdings auch der Blick unter die Oberfläche.
Teamcoaching oder Teambuilding: Was ist der Unterschied?
Teambuilding hat seinen Platz in der Teamentwicklung. Es kann unterschiedliche Formen annehmen, von gemeinsamen Aktivitäten bis hin zu strukturierten Workshops.
Gemeinsame Erlebnisse schaffen Gelegenheiten, sich außerhalb der gewohnten Rollen kennenzulernen. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, entdecken Gemeinsamkeiten und erleben sich als Gruppe. Das kann gerade bei neu zusammengesetzten Teams wertvoll sein.
Schwieriger wird es, wenn ein gemeinsames Erlebnis Probleme beheben soll, die ihren Ursprung im Arbeitsalltag haben.
Ein schönes Teamevent klärt beispielsweise nicht automatisch, warum zwei Abteilungen gegeneinander arbeiten, Mitarbeitende Entscheidungen ihrer Führungskraft anzweifeln oder wichtige Themen in Meetings regelmäßig vermieden werden.
Professionelles Teamcoaching nimmt die Zusammenarbeit als Ganzes in den Blick. Das Team beschäftigt sich mit den Dynamiken, die seinen Alltag prägen, und entwickelt gemeinsam neue Möglichkeiten, miteinander zu arbeiten.
Die International Coaching Federation (ICF) unterscheidet Teamcoaching entsprechend von anderen Formen der Teamentwicklung. Im Teamcoaching ist nach den Team Coaching Competencies der ICF (2020) das Team als Ganzes der Klient, nicht die Summe der Einzelnen. Ein Team Coach begleitet das Team dabei, seine Dynamiken wahrzunehmen, Konflikte zu bearbeiten und eigenverantwortlich Veränderungen zu gestalten.
5 Fragen, die Dir helfen, Dein Team besser zu verstehen
Bevor Du die nächste Maßnahme für Dein Team planst, kannst Du gemeinsam mit Deinen Mitarbeitenden eine erste Bestandsaufnahme machen.
Nehmt Euch dafür bewusst Zeit. Lass zunächst jeden seine eigene Sichtweise formulieren, bevor Ihr die Antworten gemeinsam besprecht.
- Wissen wir alle, wo wir stehen und was wir gemeinsam erreichen wollen? Haben wir tatsächlich dieselbe Vorstellung davon?
- Wo verlieren wir im Arbeitsalltag Zeit und Energie? Welche Entscheidungen, Abstimmungen oder Abläufe funktionieren nicht?
- Sind Verantwortlichkeiten und Erwartungen für alle klar? Wo gibt es unterschiedliche Auffassungen?
- Welche Themen sprechen wir im Team nur ungern an? Was bleibt regelmäßig unausgesprochen?
- Was müsste in unserer Zusammenarbeit anders werden, damit wir in drei Monaten sagen können: Es hat sich wirklich etwas verbessert?
Vielleicht zeigt sich, dass die Ziele klar sind, aber wichtige Entscheidungen nicht getroffen werden können. Oder es wird deutlich, dass zwei Teammitglieder ganz unterschiedliche Erwartungen aneinander haben. Oder Ihr stellt fest, dass es kaum Gelegenheit gibt, solche Fragen gemeinsam zu besprechen.
Damit habt Ihr bereits einen wichtigen Schritt getan: Ihr könnt genauer benennen, wo die Schwierigkeiten liegen.
Achte dabei auch darauf, auf welcher Ebene die Probleme entstehen. Geht es um Ziele, Aufgaben und Abläufe? Oder zeigen sich Spannungen in den Beziehungen, die sich bisher kaum jemand getraut hat anzusprechen?
Bei stark verhärteten Konflikten kann es sinnvoll sein, diese Bestandsaufnahme von einer neutralen Person begleiten zu lassen.
Welche Maßnahme hilft Deinem Team weiter?
Wenn die Menschen sich kaum kennen oder nach einer Neuzusammensetzung erst zueinanderfinden müssen, kann ein gut gestaltetes Teambuilding eine erste passende Maßnahme sein.
Sind dagegen Aufgaben, Entscheidungswege oder Ziele unklar, braucht es zunächst organisatorische Klärung. Ein gemeinsamer Workshop kann dabei helfen. Manche Entscheidungen liegen allerdings in der Verantwortung der Führung oder Unternehmensleitung und müssen auch dort getroffen werden.
Teamcoaching wird besonders interessant, wenn sich Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit wiederholen.
Wenn Gespräche immer wieder an denselben Punkten scheitern, gegenseitige Erwartungen ungeklärt bleiben oder es im Team schwerfällt, Kritik anzusprechen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Ein professioneller Team Coach kann helfen, solche Dynamiken sichtbar zu machen und mit dem Team daran zu arbeiten.
Das setzt voraus, dass die Beteiligten bereit sind, sich mit ihrer Zusammenarbeit auseinanderzusetzen, und dass sie tatsächlich Einfluss auf die anstehenden Veränderungen haben.
Teamentwicklung beginnt dort, wo es unbequem wird
Aus ihrer jahrzehntelangen Begleitung von Teams weiß Kathleen Schepp: „Dort, wo es wehtut, da geht es lang.“
Denn Spannungen, Ungereimtheiten und Konflikte können wichtige Hinweise darauf geben, was ein Team in seiner Entwicklung zurückhält. Dabei ist der Konflikt selbst noch kein Fortschritt. Entscheidend ist, ob es gelingt, die unterschiedlichen Sichtweisen sichtbar zu machen und gemeinsam einen konstruktiven Umgang damit zu finden.
Das braucht manchmal Mut. Besonders dann, wenn schwierige Themen schon lange unausgesprochen im Raum stehen.
Du möchtest Teams professionell in ihrer Entwicklung begleiten?
In der CERTYCOACH® Team Coaching Ausbildung lernst Du, Gruppendynamiken zu erkennen, komplexe Teamprozesse zu begleiten und Teams dabei zu unterstützen, ihre Zusammenarbeit eigenverantwortlich weiterzuentwickeln.